Meine Frau, das digitale Zeitalter… und ich

Ich lebe schon seit längerem im Zeitalter der digitalen Dokumente. Es gibt quasi kein Schriftstück, das ich nicht in digitaler Form auf meinem Rechner oder Tablet ablege. Meine Frau ist da eher zwiegespalten: Sie findet es toll, dass man die Dokumente so komfortabel durchsuchen kann, ein fehlendes Schriftstück z.B. für die Steuererklärung ein fünftes Mal ausdrucken oder dem leicht angesäuerten Chef noch was zur Draufsicht per Mail zusenden kann.

Zwischenzeitlich scannt auch sie ihre Dokumente ein, hat sich ein eigenes (sofern man es so bezeichnen kann) Ablagesystem geschaffen und genießt die Vorzüge dieses „digitalen Arbeitens“. Aber einen eBook-Reader? Cloud? DropBox? Nein! Auf keinen Fall! Da braucht sie das gute alte bedruckte Papier zwischen den Fingern. Doch damit stößt sie jetzt an ihre Grenzen.

„Tobias?! Ich hätte da gerne mal ein Problem! Zum 1.8. beginnt meine neue Arbeitsstelle und ich weiß nicht genau wie ich das mit meinen Büchern und Daten machen soll…“

Kurz gesagt: Sie bekommt ein Büro, einen – wie es im Beamtendeutsch heißt – Bildschirmarbeitsplatz und viel Stauraum. Spätestens mit Antritt der neuen Stelle fliegt also das Home-Office aus der Wohnung. Zuviel abendliches Arbeiten und einfach nicht abschalten können. Und ihre Bücher? Die müssen zunächst mal an ihre neue Arbeitsstelle… 30 Kilometer entfernt… bei ½ h Fahrzeit… Oje! Schon fast kann ich in ihren Augen Trennungsschmerz wahrnehmen oder bilde ich mir das nur ein? Und die Daten? „Ich möchte zuhause auch nochmal was arbeiten können und sie gleichzeitig auch im Büro haben!“ Mein Vorschlag: ein Stick oder eine kleine externe Festplatte als Zwischenlösung. Doch Moment! Ich erinnere mich: eine Wesenseigenschaft meiner Frau ist die exzessive Umsetzung der Chaostheorie! Egal wo, wann, wie, … sie schafft es Dinge zu vergessen, liegenzulassen, zu verlieren, … Also kein Stick mit ihren wichtigen Daten drauf!

Ich versuche einen zweiten Anlauf und sage: „Ich integriere deine Daten in unsere Cloud…!“

Seit ich alle Dokumente nur noch digital vorliegen habe, mache ich mir so meine Gedanken um die Datensicherheit. Cloud-Anbieter sind ganz in Ordnung – aber Zugriff auf meine Daten gewähren? Alles Administrative abgeben? Nein!!! Ich möchte gerne selbst Herr über meine Daten bleiben. Also habe ich kurzerhand (zugegeben: es waren schon einige Tage nötig) einen eigenen Server aufgesetzt, Richtlinien für den Zugriff vergeben, verschlüsselte Verbindungen etabliert und alle Daten auf den Server geschoben. Funktioniert super! Egal wo und wann: ich habe vollen und sicheren Zugriff auf meine Dateien und auf meinen PCs sind die Dateien stets aktuell…

„Ich strukturiere dir deinen PCs so, dass du vom Büro auf die gleichen Dokumente zugreifen kannst, wie von zu Hause aus…“. Ihr Gesichtsausdruck spricht Bände, da muss ich wohl noch eine Erklärung nachliefern?

Noch ein Versuch: „Sortiere, ordne und strukturiere deine Daten, so dass Du mir sagen kannst, welche Ordner du an deiner Arbeitsstelle haben möchtest.“ Ich distanziere mich an dieser Stelle bewusst von der Erklärung der technischen Hintergründe und Probleme und versuche es lösungsorientiert. Sie beginnt damit und kommt eine Stunde später wieder zu mir: „Ich hab‘ fertig“. „Super! Lass mich mal sehen…“ Zum Glück stand ich hinter meiner Frau! Mein Gesicht muss wohl Bände gesprochen haben. Nicht nur das alles anscheinend wichtig ist, es muss dann auch alles mit.

Demnächst: Sesamstraße – Reloaded!

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