Oh AUGENBLICK – Verweile doch, …

Mögen Sie den deutschen Film? Und wie sieht es mit Kurzfilmen aus? Darf es ruhig neunzig Minuten lang abwechselnd traurig, nachdenklich, lustig, fröhlich und durchgängig überraschend sein?

Wenn Sie alle drei Fragen mit „Ja“ beantworten können, darf ich Ihnen die diesjährigen „AUGENBLICKE Kurzfilm im Kino“ besonders ans Herz legen.

10 Filme – 6 Juroren – 200 Veranstaltungen

Seit 1992 veranstaltet das Sekretariat Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit den diözesanen AV-Medienstellen, den Katholischen Bildungswerken und dem Katholischen Filmwerk das Kurzfilmfestival AUGENBLICKE. Einmal im Jahr wählt das Auswahlkomitee zehn Kurzfilme aus. Diese laufen dann ca. drei bis vier Monate bundesweit in verschiedenen Lichtspielhäusern; häufig umrahmt durch eine Anmoderation oder ein anschließendes Filmgespräch.

AUGENBLICKE, das verbinde ich vor allem mit Karsten Henning, Referent für Medienkompetenz im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Initiator von AUGENBLICKE und Mitglied der Jury. Bereits im Juni 2013 hakte ich bei ihm nach, was denn für ihn den Charme der Veranstaltung ausmache. Es war weniger seine Antwort, die mein Interesse steigerte, denn seine begeisterte und begeisternde Art von dieser langjährigen Institution zu erzählen. Hennings Artikel im Katholischen Medienhandbuch vertieft dies noch: „Da finden aufgrund präzisen Handwerks, guter Geschichten und brillanter Ästhetik filmische An-Sprachen statt, die sich weitgehend von dem unterscheiden, was sonst in den Massenmedien geboten wird.“

Kluges Kino abseits des Mainstreams, das mich zum kritischen Nachfragen anregt, aber dennoch unterhält? Großartig! Warum waren die AUGENBLICKE bislang derart an mir vorbeigegangen?

„Steffi gefällt das“, Karsten Henning gefällt „Nashorn im Galopp“ und was gefällt Dir?

Karsten Hennig fordert im Einführungstext des Programmflyers dazu auf, den LieblingsAUGENBLICK zu nennen! Als Gegenleistung legt auch er sich fest. Ob ich aber nach der Vorführung sagen kann, welcher Film mir am besten gefällt? Was ich jedoch nach dem Einpflegen von mehr als 150 AUGENBLICKEN in die Veranstaltungs-Datenbank der Clearingstelle definitiv kann, ist die Filmliste. Und zwar auswendig! Da war es nur die logische Folge die AUGENBLICKE in diesem Jahr endlich einmal zu sehen.

Meine Wahl fiel auf die Vorstellung am 31.03.2014 in St. Josef in Schöffenhausen bei Waldsolms. Herzlich begrüßt wurden wir von Bernd Weil, Referent der KEB Limburg, Wetzlar-Lahn-Dill-Eder. Der große Pfarrsaal war zu zwei Dritteln voll. Zugegeben, es waren Popcorn und Softdrinks, die trotz fehlender Kinoleinwand schnell cineastische Gefühle in mir hervorriefen. Ich fieberte vor allem den Filmen „Stillstand“, „Bon voyage“ und „Nashorn im Galopp“ entgegen.

Die atmosphärische Intensität von „Stillstand“ schüttelt mich, ebenso wie der heftige Bruch in „Bon voyage“, während der crossmediale, kreative Ausdruck in „Nashorn im Galopp“ beflügelt. Für mich völlig überraschend und absoluter Publikumsliebling war „Beige“.

Spätestens als der Veranstalter das anschließende Filmgespräch gemeinsam mit Bernd Weil in grünbeiger Kleidung eröffnete, verfiel der ganze Saal in schallendes Gelächter. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass alle Zuschauer_innen zur Diskussion blieben. Eigentlich gehöre ich zu denjenigen Kinogänger_innen, die ungern direkt nach der Vorführung den Inhalt des Filmes besprechen. Herr Weil jedoch spannte gekonnt den Bogen zwischen direktem Erlebnisbericht und weiterführenden Hintergrundinformationen.

Bliebe noch die eingangs gestellte Herausforderung. Welches ist denn jetzt mein Lieblingsfilm? Keine so leichte Aufgabe, Herr Henning. Doch auch ich möchte mich festlegen. Mir gefiel „Die Konferenz oder die Rückseite des Mondes“ am besten. Warum? Ganz einfach: weil hier ironisch-pointierter Text auf einfache filmische Machart trifft. Handfeger mit Schnäbeln konferieren über den Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Rückseite des Mondes. Ganz großes Kino!

„Werd ich zum AUGENBLICKE sagen: Verweile doch!“

Um mit den Worten Goethes zu schließen: Am besten, Sie überzeugen sich selbst von der Vielfalt der diesjährigen Filmrolle. Vielleicht gibt es ja auch den einen oder andern AUGENBLICK, bei dem Sie am liebsten die bekannten Worte Goethes zitieren würden. Die diesjährigen Augenblicke können noch an folgenden Veranstaltungsorten gesehen werden. Und den Flyer von katholisch.de zur Veranstaltungs-Reihe finden Sie hier .

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